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Controlling

Vom Reporting zum Steuermann: Wie man in Österreich Controller:in wird – und was die Zertifikate wirklich verlangen

Anna-Maria Inzinger
07. Juli 2026 · 4 Min. Lesezeit
Vom Reporting zum Steuermann: Wie man in Österreich Controller:in wird – und was die Zertifikate wirklich verlangen

Am Anfang steht fast immer eine Excel-Datei. Reporting, Soll-Ist, ein bisschen Kostenrechnung. Und dann, irgendwann, die Frage: Wie wird aus dieser Tabellenschieberei ein Beruf mit einem Titel, den auch andere ernst nehmen? Die kurze Antwort ist ehrlich. Einen geschützten Titel gibt es nicht – einen Weg schon.

Beginnen wir mit dem Missverständnis, das Sie im Bewerbungsgespräch bares Geld kostet. Controlling ist nicht Buchhaltung. Punkt. Die Buchhaltung schaut zurück, sie dokumentiert, was gelaufen ist. Das Controlling dreht sich um und blickt nach vorn: Es plant, es steuert, es rechnet aus, was der nächste Beschluss der Geschäftsführung eigentlich kostet, bevor er gefasst wird. Das AMS-Berufslexikon bündelt die Aufgabe von Controller:innen unter Planung, Steuerung und Kontrolle der finanziellen und wirtschaftlichen Prozesse – Produktivitätsanalysen, Kostenplanung, Berichte fürs Management. In der internationalen Controlling-Szene nennt man die Rolle gern Business Partner des Managements. Weniger Zahlenknecht. Mehr Lotse.

Jetzt das Zweischneidige: Rechtlich ist der Beruf nicht geschützt. Keine Prüfung nötig, um sich Controller:in zu nennen – morgen könnten Sie es auf Ihre Visitenkarte drucken. Genau deshalb entscheidet am Arbeitsmarkt, was Sie belegen können. Und ab hier gabelt sich die Sache.

Der klassische Einstieg führt übers Studium: ein wirtschaftswissenschaftlicher Bachelor oder Master mit Schwerpunkt Controlling, Finance oder Rechnungswesen. Vorausgesetzt wird die Hochschulreife – Matura, Studienberechtigungs- oder Berufsreifeprüfung. Wer das mitbringt, fängt meist als Controlling-Assistenz oder Junior Controller:in an und wächst über Jahre in die eigenständige Rolle hinein. Analytisches Denken, ein Gespür für Zahlen, solide EDV- und Englischkenntnisse. Das sind laut AMS die Anforderungen, die praktisch in jeder Ausschreibung wiederkehren.

Der andere Weg: berufsbegleitend, aus dem Job heraus

Spannender wird es für alle, die schon mittendrin stecken und aus der reinen Sachbearbeitung herauswollen. Hier sollten Sie zwei Adressen kennen. Sie unterscheiden sich in Preis und Anspruch erheblich.

Da ist zum einen das Controller Institut, 1982 als Spin-off der WU Wien gegründet. Sein Lehrgang heißt Certified Controller: modular aufgebaut, 19 Tage, berufsbegleitend, geteilt in Grund- und Kernmodule. Am Schluss warten zwei Prüfungsteile. Zuerst eine Online-Multiple-Choice-Prüfung über die Grundmodule, dann eine Case Challenge – ein Praxisprojekt, das Sie präsentieren und verteidigen. Wer besteht, erhält das Controller-Diplom nach dem Standard der International Group of Controlling. Kostenpunkt für den Herbstdurchgang 2026: 9.750 Euro exklusive Umsatzsteuer, für Mitglieder 9.350 Euro. Einzelne Module gibt es ab 790 Euro. Erwartet wird allerdings, dass Sie bereits im Controlling arbeiten und betriebswirtschaftliches Grundwissen mitbringen.

Deutlich günstiger fahren Sie mit den Diplomlehrgängen der WIFI, dem Weiterbildungsinstitut der Wirtschaftskammer. Nehmen Sie die Steiermark: 206 Unterrichtsstunden, 4.700 Euro, Unterricht freitagabends und samstags – neben dem Job also machbar. Inhaltlich reicht der Bogen von Kostenmanagement über Investitionscontrolling und integrierte Unternehmensplanung bis zur Digitalisierung und dem Einsatz von KI im Controlling. In Salzburg schlägt der vergleichbare Lehrgang mit 5.840 Euro zu Buche, der reine Basislehrgang in Wien mit 2.170 Euro plus 150 Euro Prüfungsgebühr. Die optionale WIFI-Diplomprüfung besteht aus drei schriftlichen Klausuren, einer Projektarbeit und einer mündlichen Verteidigung.

Kurz gegenübergestellt, damit Sie vor der Anmeldung wissen, worauf Sie sich einlassen: Der Certified Controller am Controller Institut umfasst 19 Tage, kostet rund 9.750 Euro exkl. USt, führt zum IGC-Diplom und richtet sich an Praktiker:innen mit BWL-Basis. Der WIFI-Diplomlehrgang bringt rund 200 Unterrichtsstunden, kostet je nach Bundesland 4.700 bis 5.840 Euro und schließt mit Klausuren, Projekt und mündlichem Teil ab. Und wenn erst einmal die Grundlagen fehlen, ist der WIFI-Basislehrgang ab 2.170 Euro der günstigste Einstieg.

Rechnet sich das überhaupt? Ein Blick auf die eigenen Zahlen macht die Antwort schnell. In der Auswertung der aktuell auf wujobs.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 07.07.2026) liegt das Einstiegsgehalt im Controlling bei einem Median von 3.571 Euro brutto im Monat, die mittlere Bandbreite spannt sich von 3.271 bis 4.642 Euro. Zum Vergleich die Administration und Sachbearbeitung: Median 2.912 Euro. Das sind rund 660 Euro Unterschied. Monat für Monat, vierzehnmal im Jahr. Wer aus einer Assistenzrolle ins Controlling wechselt, holt die Lehrgangskosten damit nicht in Jahren wieder herein – sondern in Monaten.

Zwei benachbarte Felder zahlen sogar noch etwas mehr: Accounting liegt bei 3.593 Euro, Finance und Tax bei 3.864 Euro. Das deutet an, wohin die Reise führen kann, wenn Sie Ihr Controlling um Bilanzierungs- oder Steuerwissen erweitern.

Ein letzter, sehr praktischer Punkt. Weil der Titel eben nicht geschützt ist, zählt im Lebenslauf die Kombination aus nachweisbarer Methode und echtem Projekt. Die Case Challenge beim Controller Institut, die Projektarbeit beim WIFI – das ist kein Prüfungsballast. Es ist exakt das Arbeitsmuster, das ein:e künftige:r Arbeitgeber:in sehen will. Also: Nehmen Sie ein Thema aus Ihrem eigenen Unternehmen. Dann halten Sie am Ende nicht bloß ein Diplom in der Hand, sondern eine Fallstudie, über die Sie im Bewerbungsgespräch reden können.

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