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Selbstpräsentation

„Erzählen Sie etwas über sich“: Wie die Selbstpräsentation beim kaufmännischen Einstieg gelingt

Anna-Maria Inzinger
25. September 2026 · 4 Min. Lesezeit
„Erzählen Sie etwas über sich“: Wie die Selbstpräsentation beim kaufmännischen Einstieg gelingt

Die Unterlagen liegen auf dem Tisch, das Wasserglas ist eingeschenkt, und dann kommt der Satz, mit dem fast jedes Bewerbungsgespräch beginnt: „Erzählen Sie doch etwas über sich.“ Viele Absolvent:innen starten jetzt bei der Matura. Vier Minuten später sind sie beim Ferialjob im zweiten Studienjahr – und die Person gegenüber weiß noch immer nicht, warum jemand im Controlling anfangen will. Diese Minuten kann man vorbereiten. Sie entscheiden, wie der Rest des Gesprächs läuft.

Was die Frage wirklich abfragt

Das AMS führt sie in seiner Übersicht typischer Interviewfragen als biografische Frage: „Was gibt es über Sie zu wissen?“ oder „Erzählen Sie mir etwas über sich.“ Die Empfehlung dort ist unmissverständlich: nicht ausschweifen, sich auf das Wesentliche konzentrieren und jene Aspekte des Lebenslaufs hervorheben, die sich mit den Stellenanforderungen decken.

Das ist der entscheidende Punkt. Ihr Gegenüber hat den Lebenslauf gelesen. Es braucht keine Nacherzählung, sondern eine Sortierung: Was von all dem ist für diese eine Stelle relevant? Wer in der Personalabteilung eines Handelsbetriebs anfangen möchte, erzählt von der Lehrveranstaltung zu Arbeitsrecht und vom Praktikum, in dem er Dienstzettel vorbereitet hat – nicht von der Präferenz für Makroökonomie.

Drei Bausteine, in dieser Reihenfolge

  • Woher Sie kommen – zwei Sätze. Abschluss, Schwerpunkt, die eine relevante Praxisstation. Schulzeit gehört nicht dazu.
  • Was Sie können – mit Beweis. Das AMS rät, konkrete Beispiele anzuführen und Aussagen mit Fakten zu untermauern; Erfolge belegt man „am besten mit Zahlen“. Also nicht „ich arbeite strukturiert“, sondern: „Ich habe im Praktikum den Monatsabschluss von zwei Kostenstellen vorbereitet, rund 400 Belege pro Monat.“
  • Warum diese Stelle. Hier fällt auf, wer sich nicht vorbereitet hat. Zur Motivationsfrage schreibt das AMS: „Informieren Sie sich im Vorfeld ausführlich über das Unternehmen und zeigen Sie ehrliches Interesse – das ist der Schlüssel zum Erfolg.“

So klingt das zusammengesetzt, für eine Junior-Position im Vertriebsinnendienst: „Ich habe im Juni mein BWL-Bachelorstudium in Graz abgeschlossen, Schwerpunkt Marketing und Vertrieb. Neben dem Studium war ich zwei Jahre im Kundenservice eines Großhändlers, zuletzt mit eigenem Kundenstamm von etwa 60 Firmenkunden – Angebote, Nachfassen, Reklamationen. Was mich an Ihrer Stelle interessiert: Sie betreuen den technischen Fachhandel direkt, ohne Zwischenhändler. Genau diesen Teil habe ich bisher nur von der Bestellseite gesehen.“

Drei Sätze pro Baustein. Mehr braucht es nicht. Auf der AMS-Seite zur Selbstpräsentation steht der Satz, den man sich merken sollte: Die Selbstpräsentation „soll nicht in einen langen Monolog ausarten“.

Der Satz, den Sie streichen sollten

„Ich bin kommunikativ, teamfähig, belastbar und lernbereit.“ Diese Kette kostet Sie fünf Sekunden und bringt nichts. Das AMS formuliert es direkt: „Ihre Kompetenzen und Stärken einfach aufzulisten ist wenig überzeugend.“ Jede Eigenschaft, die Sie nennen, braucht eine Szene dahinter – sonst lassen Sie sie weg. Und: bei der Wahrheit bleiben. Wer sich ein SAP-Modul zuschreibt, das er einmal über die Schulter gesehen hat, fliegt in der Fachfrage auf.

Üben, und zwar laut

Schreiben Sie sich Stichworte auf – nicht ganze Sätze – und sprechen Sie die Präsentation ein paar Mal laut durch, am besten vor jemandem, der zuhört. Dass das Aufschreiben von Stichwörtern hilfreich sein kann und Antworten mehrere Male geübt werden sollten, empfiehlt auch das AMS in seinen Tipps zum Vorstellungsgespräch; auf der Seite zur Selbstpräsentation wird das Üben vor Familie und Freund:innen oder mit einer Smartphone-Aufnahme genannt. Wer sich selbst einmal zuhört, streicht danach von allein die Hälfte.

Wenn die Gehaltsfrage gleich anschließt

Sie folgt oft direkt. Halten Sie eine Zahl bereit, die zu Ihrem Fachgebiet passt – und wissen Sie, wo dieses Fachgebiet liegt. In einer eigenen Auswertung der aktuell auf wujobs.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 25.09.2026, 5.406 Stellen) liegt der Median der angegebenen Einstiegs- beziehungsweise Mindestgehälter bei 3.184 Euro brutto im Monat, die mittlere Bandbreite zwischen 2.411 und 4.000 Euro (657 Stellen mit Gehaltsangabe). Die Unterschiede zwischen den Bereichen sind größer als die zwischen den Bundesländern: Controlling 4.464 Euro, Business Intelligence 3.710 Euro, Human Resources 3.000 Euro, Administration und Sachbearbeitung 2.978 Euro. Für Wien liegt der Median bei 3.500 Euro.

Ein Hinweis, der oft untergeht: Das sind ausgeschriebene Mindestgehälter aus Stelleninseraten, nicht die tatsächlich gezahlten Einstiegsgehälter. Wer sich auf eine Controlling-Stelle bewirbt, sollte die 4.464 Euro deshalb nicht als Anspruch verstehen, sondern als Orientierung, in welcher Größenordnung man sich bewegt.

Fragen, die nicht kommen sollten

Manchmal rutscht das Gespräch ins Private. Die Wirtschaftskammer hält in ihrer Anleitung zur Interviewführung für Unternehmen fest, dass die Frage nach einer anstehenden Heirat unzulässig ist, ebenso die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft; auch Fragen nach Partei- oder Konfessionszugehörigkeit und zum allgemeinen Gesundheitszustand sind dort als unzulässig genannt – mit Ausnahmen etwa für Tätigkeiten, zu denen man gesundheitlich in der Lage sein muss, oder für Bewerbungen bei parteilichen und kirchlichen Organisationen. Sie müssen darauf im Gespräch nicht reagieren wie eine Juristin. Aber Sie dürfen ruhig freundlich zurückfragen, was das mit der Position zu tun hat. Wie eine solche Frage im Einzelfall zu bewerten ist, klärt man besser vorher mit der Arbeiterkammer oder der Gleichbehandlungsanwaltschaft als mitten im Termin.

Und noch etwas zum letzten Satz Ihrer Selbstpräsentation: Machen Sie daraus eine Übergabe, keinen Schlusspunkt. „Deshalb würde mich interessieren, wie das Monatsreporting bei Ihnen abläuft – wer liefert die Zahlen zu?“ Dann reden Sie nicht mehr allein.

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Quellen

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